20 Zusatzbestimmungen und Richtlinien für Schiedsrichter
Die folgenden Zusatzbestimmungen und Richtlinien für Schiedsrichter
sollen zur korrekten Anwendung der Spielregeln beitragen.
Futsal ist ein Wettkampfsport, zu dem auch der physische Kontakt
zwischen den Spielern gehört. Allerdings müssen sich die Spieler an
die Spielregeln halten und die Grundsätze des Fairplay respektieren.
Das Begehen eines groben Fouls und Tätlichkeiten sind zwei der Vergehen,
die gemäss Regel 11 wegen übertriebener körperlicher Härte
mit einem Feldverweis zu ahnden sind.
Grobe Fouls
Ein Spieler begeht ein grobes Foul, wenn er einen Gegenspieler im
Kampf um den Ball, der sich im Spiel befi ndet, übermässig hart oder
brutal angreift.
Jeder Spieler, der im Kampf um den Ball von vorne, von der Seite oder
von hinten mit einem oder beiden Beinen in einen Gegenspieler hineinspringt
und durch übertriebene Härte die Gesundheit des Gegners
gefährdet, begeht ein grobes Foul.
Tätlichkeiten
Zu Tätlichkeiten kann es auf oder neben dem Spielfeld kommen. Dabei
kann der Ball im Spiel sein oder nicht. Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn
ein Spieler einen Gegner abseits des Balls übermässig hart oder brutal
attackiert. Als Tätlichkeit gelten auch übertriebene Härte oder Gewalt
gegen eigene Mitspieler, Zuschauer, Spieloffi zielle oder sonstige Personen
Vergehen gegen Torhüter
Die Schiedsrichter werden daran erinnert, dass
• ein Spieler, der den Torhüter daran hindert, den Ball aus den Händen
wieder freizugeben, ein Vergehen begeht,
• ein Spieler, der den Ball tritt oder versucht, ihn zu treten, während
der Torhüter ihn freigeben will, wegen gefährlichen Spiels zu
bestrafen ist,
• das unfaire Behindern des Torhüters bei der Ausführung eines
Eckstosses ein Vergehen darstellt.
Abschirmen des Balls
Es liegt kein Vergehen vor, wenn ein Spieler, der den Ball in spielbarer
Distanz kontrolliert, diesen vor einem Gegner abschirmt, ohne dass er
dazu seine Arme benutzt.
Falls er jedoch einem Gegenspieler den Weg zum Ball durch den
unfairen Einsatz der Hände, Arme, Beine oder anderer Körperteile
versperrt, muss dieses Vergehen mit einem direkten Freistoss oder,
falls sich der Ort des Vergehens innerhalb des Strafraums befi ndet,
mit einem Strafstoss geahndet werden.
Scherenschlag oder Fallrückzieher
Ein Scherenschlag ist erlaubt, wenn dadurch nach Meinung des
Schiedsrichters kein Gegenspieler gefährdet wird.
Absichtliches Handspiel
Die Schiedsrichter werden daran erinnert, dass ein absichtliches
Handspiel normalerweise nur mit einem Freistoss oder, falls es im
Strafraum begangen worden ist, mit einem Strafstoss geahndet wird.
Eine Verwarnung oder ein Feldverweis wird in der Regel nicht ausgesprochen.
Verhindern eines Tors oder einer offensichtlichen Torchance
Ein Spieler wird jedoch des Feldes verwiesen, wenn er durch ein
absichtliches Handspiel ein Tor oder eine offensichtliche Torchance
verhindert. Der Grund für diese Sanktion ist nicht das absichtliche
Handspiel an sich, sondern die Tatsache, dass durch eine unerlaubte
und unfaire Aktion ein Gegentor verhindert wurde.
Verwarnung für absichtliches Handspiel wegen unsportlichen Betragens
Unter bestimmten Umständen ist nicht nur ein Freistoss zu verhängen,
sondern auch eine Verwarnung gegen den Spieler wegen unsportlichen
Betragens auszusprechen. Dies ist der Fall, wenn der Spieler:
• mit eindeutiger Absicht den Ball mit der Hand spielt, um zu verhindern,
dass der Gegner in Ballbesitz gelangt,
• versucht, durch ein absichtliches Handspiel ein Tor zu erzielen,
• die Schiedsrichter täuscht, indem er vorgibt, den Ball mit dem Körper
zu spielen, während er ihn mit der Hand berührt,
• erfolglos versucht, mit der Hand ein Tor zu verhindern, wobei der
fehlbare Spieler nicht der Torhüter im eigenen Strafraum ist.
Halten des Gegners
Häufi g wird Schiedsrichtern vorgeworfen, dass sie das Festhalten eines
Gegenspielers nicht pfeifen und ausreichend bestrafen.
Werden das Ziehen am Trikot und das Zurückhalten am Arm nicht konsequent
geahndet, so kann dies im späteren Verlauf des Spiels zu Konfl
ikten führen. Die Schiedsrichter sind deshalb angewiesen, bei diesen
Vergehen gemäss Regel 11 früh und entschlossen durchzugreifen.
In der Regel wird Halten nur mit einem direkten Freistoss oder einem
Strafstoss geahndet. Unter bestimmten Umständen muss jedoch eine
zusätzliche Sanktion erfolgen. Zum Beispiel:
• eine Verwarnung wegen unsportlichen Betragens für einen Spieler,
der einen Gegner zurückhält, um zu verhindern, dass dieser in Ballbesitz
gelangt oder eine günstige Position einnehmen kann,
• ein Feldverweis für einen Spieler, der eine offensichtliche Torchance
zunichte macht, indem er einen Gegner zurückhält.
Vorteil
Wenn eine Mannschaft fünf kumulierte Fouls begangen hat und ein
Foul begeht, das mit einem direkten Freistoss oder einem Strafstoss
zu ahnden ist, müssen die Schiedsrichter, ausser es besteht eine offensichtliche
Torchance, einen direkten Freistoss oder einen Strafstoss verhängen.
Begeht die Mannschaft jedoch ein Foul, das gemäss Regel 11 mit
einem indirekten Freistoss zu ahnden ist, müssen die Schiedsrichter
im Sinne des Spielfl usses auf Vorteil entscheiden, solange die Mannschaft,
gegen die sich das Vergehen richtete, dadurch nicht benachteiligt
wird.
Die Ausführung von Freistössen
Die Schiedsrichter werden daran erinnert, dass ein Spieler verwarnt
werden muss, wenn er
• den vorgeschriebenen Abstand nicht einhält.
Strafstoss
Wer bei der Ausführung eines Strafstosses den Mindestabstand von
5 m nicht einhält, macht sich eines Vergehens schuldig. Der Torhüter
verstösst ebenfalls gegen die Regel, wenn er nicht auf der Torlinie
bleibt, bis der Ball gespielt ist.
Die Schiedsrichter müssen bei Zuwiderhandlungen entsprechende
Massnahmen ergreifen.
Freistoss von der zweiten Strafstossmarke und
direkter Freistoss ohne Mauer
Wer bei der Ausführung eines Freistosses den Mindestabstand von
5 m nicht einhält, macht sich eines Vergehens schuldig. Der Torhüter
verstösst ebenfalls gegen die Regel, wenn er nicht in seinem Strafraum
bleibt, bis der Ball gespielt ist.
Alle anderen Spieler mit Ausnahme des Schützen sind ausserhalb des
Strafraums mindestens 5 m vom Ball entfernt, hinter einer imaginären
Linie, die parallel zur Torlinie verläuft, bis der Ball gespielt ist.
Die Schiedsrichter müssen bei Zuwiderhandlungen entsprechende
Massnahmen ergreifen.
Vergehen der Torhüter
Die Schiedsrichter werden daran erinnert, dass die Torhüter den Ball in
ihrer Spielfeldhälfte nicht länger als vier Sekunden in den Händen halten
oder mit den Füssen kontrollieren dürfen. Ein Torhüter, der gegen
diese Regel verstösst, wird mit einem indirekten Freistoss bestraft*.
Wiederholtes Verstossen gegen die Futsal-Spielregeln
Die Schiedsrichter sollten stets auf Spieler achten, die wiederholt gegen
die Spielregeln verstossen. Dabei sollten sie sich insbesondere bewusst
sein, dass auch ein Spieler der verschiedene Vergehen begeht, wegen
wiederholten Verstossens gegen die Futsal-Spielregeln verwarnt werden
muss.
Verhalten gegenüber dem Schiedsrichterteam
Der Spielführer geniesst in Bezug auf die Futsal-Spielregeln weder
einen Sonderstatus noch sonstige Privilegien, trägt aber eine gewisse
Verantwortung für das Verhalten seiner Mannschaft.
Ein Spieler, der gegen eine Entscheidung des Schiedsrichterteams protestiert,
muss verwarnt werden.
Ein Spieler, der ein Mitglied des Schiedsrichterteams tätlich angreift
oder anstössige, beleidigende oder schmähende Äusserungen oder
Gesten gebraucht, ist des Feldes zu verweisen.
Simulieren
Ein Spieler, der versucht, die Schiedsrichter zu täuschen, indem er eine
Verletzung simuliert oder vorgibt, gefoult worden zu sein, muss wegen
unsportlichen Betragens verwarnt werden. Wird das Spiel wegen eines
solchen Vergehens unterbrochen, wird es mit einem indirekten Freistoss
am Ort des Vergehens fortgesetzt*.
Verzögerung der Wiederaufnahme des Spiels
Die Schiedsrichter müssen einen Spieler verwarnen, der die Wiederaufnahme
des Spiels verzögert, indem er etwa:
• einen Freistoss absichtlich von der falschen Stelle aus ausführt, um
damit den Schiedsrichter zu zwingen, die Ausführung wiederholen
zu lassen,
• nach einer Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter den Ball
wegspielt oder ihn mit den Händen wegträgt,
• nach einer Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter den Ball
mit den Händen berührt und so absichtlich eine Konfrontation
herbeiführt.
Torjubel
Zwar ist es einem Spieler erlaubt, seiner Freude nach einem Treffer Ausdruck
zu verleihen, doch darf der Torjubel nicht übertrieben werden.
Die FIFA hielt in Zirkular Nr. 579 fest, dass Torjubel in angemessenem
Rahmen erlaubt ist. Zu unterbinden sind jedoch choreografi erte
Jubelszenen, wenn diese zu übermässigen Verzögerungen führen. Die
Schiedsrichter sind angewiesen, in solchen Fällen einzuschreiten.
Ein Spieler muss verwarnt werden, wenn er nach Meinung des Schiedsrichters:
• mit provozierenden, höhnischen oder aufhetzenden Gesten
jubelt,
• das Spielfeld verlässt und zum Torjubel den Zuschauerbereich
betritt,
• er sein Hemd über seinen Kopf auszieht oder es ganz oder teilweise
über seinen Kopf stülpt,
• Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.
Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist an sich noch kein verwarnungswürdiges
Vergehen, doch müssen die Spieler so rasch wie
möglich auf das Feld zurückkehren.
Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie in solchen Situationen
präventiv auf die Spieler einwirken und bei der Beurteilung des Torjubels
gesunden Menschenverstand walten lassen.
Getränke
Die Spieler dürfen während einer Unterbrechung Getränke zu sich
nehmen, allerdings nur an der Seitenlinie. Es ist nicht erlaubt, Plastikflaschen oder andere Wasserbehälter auf das Spielfeld zu werfen.
Grundausrüstung der Spieler
Torhüter:
• Durch die Farbe der Kleidung muss jeder Torwart leicht von Spielern
und Schiedsrichtern zu unterscheiden sein.
• Ist die Farbe der Hemden der beiden Torhüter identisch und hat
keiner der beiden ein anderes Hemd bei sich, pfeift der Schiedsrichter
das Spiel an.
Weitere Ausrüstung der Spieler:
• Die Ausrüstung eines Spielers darf keine Gegenstände umfassen, die
für ihn oder einen anderen Spieler eine Gefahr darstellen können.
• Moderne Schutzkleidung wie Gesichtsmasken, Knie- oder Armschützer
aus weichem, leichtem Material, gelten nicht als gefährlich
und dürfen von den Spielern deshalb getragen werden.
• Moderne Sportbrillen stellen für die eigenen und die anderen
Spieler keine Gefahr dar und dürfen vom Schiedsrichter deshalb
zugelassen werden.
Sicherheit
Ein Spieler darf keine Ausrüstungsgegenstände tragen, die für ihn oder
einen anderen Spieler eine Gefahr darstellen (einschliesslich jeder Art
von Schmuck).
Schmuck
Jede Art von Schmuck gilt als gefährlich. Schmuck darf von den Spielern
nicht einfach mit Klebeband abgedeckt werden.
Ringe, Ohrringe, Ketten oder Gummibänder sind zum Spielen nicht
erforderlich, können aber Verletzungen verursachen.
Der Begriff „gefährlich“ ist bisweilen unklar, aus diesem Grund ist für
Spieler, Auswechselspieler und Schiedsrichter jede Art von Schmuck
verboten.
Den Schmuck mit Klebeband abzudecken, ist kein ausreichender
Schutz.
Um Problemen vorzubeugen, sind die Spieler frühzeitig über das Verbot
zu informieren.
Verletzte Spieler
Im Zusammenhang mit Verletzungen von Spielern haben die Schiedsrichter
folgende Richtlinien zu beachten:
• Das Spiel kann ohne Unterbrechung weiterlaufen, bis der Ball ins
Aus geht, falls ein Spieler ihrer Ansicht nach nur leicht verletzt ist.
• Das Spiel wird unterbrochen, wenn ein Spieler ihrer Ansicht nach
schwer verletzt wurde.
• Nach Befragung des verletzten Spielers können die Schiedsrichter
einem oder höchstens zwei Betreuern erlauben, auf den Platz
zu kommen, um die Art der Verletzung festzustellen und für den
sicheren und raschen Transport des Verletzten vom Spielfeld zu
sorgen.
• Gleichzeitig mit den Betreuern sollten gegebenenfalls auch Helfer
mit einer Bahre auf das Spielfeld gelangen, damit der Spieler so
schnell wie möglich vom Spielfeld gebracht werden kann.
• Die Schiedsrichter achten darauf, dass der Verletzte sicher und
schnell vom Spielfeld gebracht wird.
• Die Behandlung eines verletzten Spielers auf dem Spielfeld ist nicht
erlaubt.
• Ein Spieler mit einer blutenden Wunde muss das Spielfeld verlassen
und darf erst zurückkehren, wenn sich die Schiedsrichter davon
überzeugt haben, dass die Blutung gestoppt wurde. Der dritte
Schiedsrichter kann dies ebenfalls überprüfen; den Entscheid zum
Wiederbertreten des Spielfelds (falls der Spieler nicht ausgewechselt
wurde), treffen jedoch die Schiedsrichter. Das Tragen blutverschmierter
Kleidung ist verboten.
• Wenn die Schiedsrichter erlauben, dass Betreuer auf den Platz
kommen, bedeutet dies für den Spieler, dass er das Feld verlassen
muss, entweder auf der Bahre oder zu Fuss. Hält er sich nicht an
die Anweisung des Schiedsrichters, wird er wegen absichtlicher
Spielverzögerung verwarnt.
• Ein verletzter Spieler, der nicht ausgewechselt wurde, darf erst wieder
auf das Spielfeld zurückkehren, wenn das Spiel wieder aufgenommen
wurde.
• Ein Spieler muss das Spielfeld nicht durch die Auswechselzone verlassen,
sondern kann dies über eine Tor- oder Seitenlinie tun.
• Ein verletzter Spieler, der das Spielfeld verlassen hat, darf ausgewechselt
werden, wobei der eingewechselte Spieler das Spielfeld
durch die Auswechselzone zu betreten hat.
• Wenn der Ball im Spiel ist, darf der Spieler, sofern er nicht ausgewechselt
wurde, nach der Behandlung nur über die Seitenlinie auf
das Feld zurückkehren. Wenn der Ball nicht im Spiel ist, ist dies auch
an den Torlinien erlaubt.
• In beiden Fällen darf der Spieler, sofern er nicht ausgewechselt
wurde, jedoch erst nach einem Zeichen der Schiedsrichter auf das
Spielfeld zurückkehren.
• Wenn das Spiel aus keinem anderen Grund unterbrochen wurde
und wenn die Verletzung des Spielers nicht die Folge eines Verstosses
gegen die Spielregeln war, wird das Spiel mittels eines Schiedsrichterballs
an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt
der Spielunterbrechung befunden hat*.
Ausnahmen
Ausnahmen gelten nur:
• bei Verletzung des Torhüters,
• wenn ein Torhüter und ein Feldspieler nach einem Zusammenprall
sofortige Behandlung benötigen,
• bei sehr schweren Verletzungen, z. B. verschluckter Zunge, Gehirnerschütterung,
Beinbruch usw.